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16. Rallye – Tag: Die Fahrzeugübergabe – Trennung von unseren treuen Gefährten

Posted by on 14. Mai 2012

Da war er nun also – der Tag, an dem wir uns von unseren Gefährten trennen würden. Ob des ganzen Stresses der letzten Tage war eigentlich kaum eine Minute übrig, um sich dieser bitteren Wahrheit bewusst zu werden. Zudem war die Vorstellung wie dies ablaufen sollte etwas abstrakt. Aber jetzt ging es ans Eingemachte – wir würden heute unsere letzten Kilometer fahren, das letzte mal die Motoren zum Leben erwecken, das letzte mal die Sitze drücken und das letzte mal die Lenkräder drehen. Jetzt wurde aus der unkonkreten Vorstellung eine sehr viel genauer bezifferbare Zukunft. Die Stimmung war also verhalten getrübt.

Doch zunächst hatten wir noch eine Rallye Aufgabe zu erfüllen: wir brauchten ein Bild des Teams am kaspischen Meer.

Weil es schnell gehen musste haben wir uns dazu direkt auf den Mittelstreifen einer der großen Ausfallstraßen gestellt – die ziemlich pompöse und in Zeitlupe flatternde Landesflagge im Hintergrund musste schon sein. Zum Glück waren die Sheriffs heute gnädig und haben uns kein Bußgeld abgenommen für das Überqueren einer Strasse ohne Zebrastreifen – wahrscheinlich waren sie mit dem Radrennen, welches in dem Moment in Baku stattfand zu sehr beschäftigt.

Anschließend ging es auf die Suche nach einem Photogeschäft, um die „Bilderbeweise“ für unser Roadbook auszudrucken. Die Suche danach gestaltete sich etwas länger – wie übrigens auch die Suche nach Postkarten von Baku.

Dabei ergab sich aber die Gelegenheit mal etwas hinter die Kulissen von Baku zu sehen. Indess ist der erste Eindruck dieser Stadt bei Tag ein positiver – die Häuserzeilen entlang den neuen, großzügig dimensionierten Hauptstrassen im Zentrum wirken alle historisch und erst kürzlich restauriert. Grüne Parks lockern immer wieder die Häuserschluchten auf und die Fahrzeuge wirken alle recht neu sowie luxuriös. Bei genauerer Betrachtung stellt man allerdings fest, dass die historisch wirkenden Häuser wahrscheinlich kaum 6 Monate alt sind und zum Teil noch gar keinen Innenausbau haben, die Fassaden waren ab und an noch eingerüstet und es wurde versucht mit heftiger Betriebsamkeit die Kulisse für den Songcontest fertig zu stellen. Man bekommt den Eindruck, dass sehr viel für den Eindruck, also die „Fassade“ der Stadt getan wird.

So war es natürlich auch klar, dass wir unsere Fahrzeuge nicht wie ursprünglich geplant in Baku  übergeben würden, sondern auf einem Polizeigelände außerhalb der Stadt, um mit den alten Kisten nicht das Straßenbild zu verschandeln – wo doch vielleicht schon Gäste aus anderen Ländern für den Songcontest in der Stadt sein könnten. Es wäre doch eine Schande, wenn diese so etwas mit ansehen müssten…

Eine Querstrasse hinter den Prunk – Bauten findet man dann aber doch das wahre Baku mit vielen, etwas verfallenen Plattenbauten aus der Zeit des Sozialismus, Ladas anstatt Landrovers und normalen Menschen auf der Strasse. Es ist immer noch ein Land, in dem sich die Öl Millionen, oder besser: Milliarden scheinbar auf eine sehr begrenzte Anzahl von Empfängern verteilen.

Nachdem wir auch die Photos in den Händen hielten machten wir uns an das Ausräumen der Autos. Immerhin wollten wir den Pieser, das Pimp Car und den Passator in möglichst gutem, und sauberen Zustand (zumindest Innen) abgeben, auf dass die neuen „Wirte“ die Gefährte gleich zu schätzen wissen und ihnen ein gutes 2.Leben bescheren. So wurden auch nochmals alle Flüssigkeiten kontrolliert sowie Werkzeugsatz, Reparaturanleitung und Ölflasche in die Fahrzeuge gelegt. Zuletzt haben wir noch je einen Brief an den zukünftigen Besitzer verfasst, mit der Geschichte der Fahrzeuge, unseren Kontaktdaten, den Wehwehchen, nach denen als nächstes gesehen werden müsste und der Bitte sich gut um die Fahrzeuge zu kümmern.

Danach machten wir und auf den letzten gemeinsamen Weg mit unseren Gefährten – Richtung Westen zu einem Polizeidepot ca. 60km außerhalb von Baku.

Die Informationslage zu dem genauen Übergabeort war eher spärlich – wir wussten nur, dass sich das Polizeidepot irgendwo entlang der Küstenstrasse befand und „nicht zu verfehlen“ sei. Nun, wir haben es doch geschafft. Unterwegs trafen wir einen weiteren Rally Teilnehmer, der angeblich schon eines der drei Teamfahrzeuge dort abgegeben hatte und uns in die falsche Richtung mit etwas optimistischen Entfernungsangaben schickte…. Zu allem Überfluss ging uns, während wir uns ein Rad abgefahren haben auch noch der Sprit des Pimp Cars aus. Also musste der Passator ran und nahm die Fuhre ins Schlepptau.

 

Wir wussten zu dem Zeitpunkt noch nicht, dass wir eigentlich schon längst an dem Sammelplatz vorbei waren – die Angabe der Straßenseite war nicht so ganz richtig…

Nach weiteren 30 Kilometern und der Sorge, dass auch der Pieser ohne Benzin liegen bleiben würde hielten wir erstmal an, um mit dem Passator vorauszufahren, der aufgrund seines riesen Benzinfasses noch genügend Reichweite hatte. Schon paradox – in einem solch ölreichen Land mit dem günstigsten Sprit der ganzen Rallye mit leerem Tank stehen zu bleiben.

Um also die letzten Kilometer von Maggi mit seinem Wagen in Würde zu gestalten holten wir bei der nächsten Tanke erstmal Nachschub.

 

Irgendwann hatten wir es dann endlich geschafft das Depot zu finden – aber wir waren nicht die Einzigen, die etwas länger gebraucht haben.

 Vor Ort wurden sollten alle Fahrzeuge in einem eingemauerten Gelände gesammelt werden – doch der Platz war etwas knapp bemessen. So mussten einige draußen bleiben, was angesichts der etwas dubiosen Typen, die versuchten einem z.B. Ersatzräder abzuschwatzen nicht gerade vertrauenerweckend war. Man bekam das Gefühl nicht los, dass alles was nicht Niet- noch Nagel fest war spätestens 10 Minuten nach unserer Abfahrt fehlen würde.

 

Die Situation war etwas angespannt, da es für alle Teilnehmer befremdlich war diese Fahrzeughändler auf einem Polizeigelände frei ein- und ausgehen zu sehen. Auch dass die Fahrzeuge genau inspiziert wurden und scheinbar die besten Fahrzeuge schon mal herausgepickt wurden schaffte nicht gerade mehr Vertrauen in den weiteren Ablauf der Versteigerungsaktion und den wohltätigen Gedanken.

Doch es wurde beteuert, dass ein Vertag zwischen Polizei, OK und dem Deutschen Botschaften besteht, der eben jenen wohltätigen Gedanken sicherstellt.

Wir schraubten also unsere Schilder ab und jeder der drei „Nochfahrzeugbesitzer“ nahm sich einige stille Minuten des persönlichen Abschieds. Die Umgebung war zwar nicht sehr „pietätvoll“ aber da mussten wir durch. Die nächsten Bilder sprechen wohl für sich!

 

 

 

 

 

 

Wir hatten seit Stuttgart, also bezogen auf den Kilometerstand des Passator von 315900km bis 322324km genau 6424km in 19 Tagen abgespult. Und bis auf die maltretierten Stoßdämpfer hätte unser Vertrauen in die Gefährte auch noch für eine Rückfahrt gereicht – aber diesmal über Autobahnen und mit Navigationssystem!

Wir hoffen jedenfalls alle, dass die Fahrzeuge einem guten Zweck zukommen, ein 2. Leben haben werden und Besitzer, die sie ähnlich schätzen werden.

Machts gut Ihr drei!

 

Die Rückfahrt in einem schwer erkämpften und zäh verhandelten Taxi war darauf schon sehr nachdenklich. Das Land und die Leute hatten sich bisher nicht gerade von ihrer besten Seite gezeigt, da doch bei allem immer eine deutliche Portion Opportunismus mitschwang. Auch die viele Umweltverschmutzung, inform von Öllecks auf den Förderplattformen, und schwefelspuckenden Raffinieriekolonnen ohne Filteranlagen machten es schwer etwas Positives abzuringen.

 

Aber, um nicht voreilig zu sein, würden wir uns die Sache am kommenden morgen nochmals ansehen. Für einen Spaziergang durch die Innenstadt war vor dem Abflug noch Zeit.

 

Mehr dazu in Kürze auf diesem Kanal……

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